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Einst war Intensität begehrt.

Amadeus, Raumschiff e, Eisbären – Vordenker und Folger, Künstler und Arbeiter aus der Vorstadt waren sich einig und lebten in geistiger Freiheit auf Lautstärke unendlich – oder zumindest mit dem Gefühl. Nicht lange danach eroberte der vorauseilende Gehorsam die deutsche Popmusik und es wurde gesittet im Land. Subversiv ging in die Werbung.

Seitdem ist viel oder auch nichts passiert, z.B. mit dem Social Dings, all diese Hypechens und Häppchens, bis zu dem „Off-Beat-Akustik-Gitarren-aber-wie-im- Club-2000X-Gefühl“ oder das „Indie-Folk-Chöre-aus-dem-Off -Universum“. Aber irgendwie hat es das nicht hierher geschafft. Nicht zu TÜSN. So wie ein norddeutsches Fischerdorf, in dem tatsächlich noch gefischt wird, klingen die drei Berliner als sei der Synthesizer ein gerade erfundenes, noch zu entdeckendes Instrument. Roh und archaisch, als seien sämtliche großen SynthPop Bands gerade das erste Mal auf Tour. Die Songs heißen wie die dunklen Ecken unseres Gewissens: Schuldig, Schwarzmarkt, Niemals. Und irgendwie sieht man die Jungs auch genau da spielen… und fühlt sich gut dabei.

Drei Instrumente regen sich übereinander auf, das minimalistisch wilde Schlagzeug, der hart gerissene Bass, der vordernde Synthesizer. Keine Gitarre. Der Gesang… darf der so singen?

Das fühlt sich kalt und warm zugleich an, vielleicht wie ein herrschaftlicher, unrennovierter Altbau bei Nacht – und darin eine Party exzentrischer Adeliger ohne Geld auf dem Konto. Die große Affektion, in der tatsächlich noch gefühlt wird. Keine perfekt getunten Leadgesänge, keine quantisierten half time Drums, keine Filterfahrten mit frechen Stimmungen aus der

vermeintlichen Großstadt. Ein Musik Moment, der für sich sowie überall sein kann, wie in „Schuldig“: Euphorische Geräusche sind das – von der über jedem Menschen schwebenden Schuld, überhaupt lebendig zu sein. Und wenn man mit keiner Überraschung mehr rechnet, dann taucht die Band mit dem „Ü“ auf – ein Rednerpult des künstlichen Gefühls, echt zu sein. Ein Gast aus einer vergangenen oder noch vor uns liegenden Welt, ein absurdes Klangmobil, das Schlagzeug, Bass und Synthies vereint. Und wenn einer fragt, wohin das führt? Genau dahin wo Du gerade bist.

Künstler

Veranstaltungsdatum

Dezember 16, 2015

Einlass

20:30 PM

Veranstaltungsort

Strom